07.10.2019

Neuer Vorstoß zum Angleich der Honorarsysteme für gesetzlich und privat Versicherte

Für eine Neugestaltung der Finanzierung von gesetzlich und privat Versicherten plädiert die Bertelsmann-Stiftung im Rahmen einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie. Autoren der Arbeit mit dem Titel „Ärztliche Vergütung ambulanter und ambulant erbringbarer Leistungen“ sind die Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem und Anke Walendzik von der Universität Duisburg-Essen.

„Die beiden haben im Auftrag der Bertelsmann Stiftung Vorschläge für eine Reform der ärztlichen Vergütung speziell für den Bereich ambulanter und ambulant erbringbarer Leistungen entwickelt. Dabei steht der Versorgungsbereich im Fokus, in dem die gleiche Leistung von niedergelassenen Ärzten und im Krankenhaus erbracht werden kann“, heißt es in einer Studienzusammenfassung der Stiftung. 

Die Autoren plädieren dafür, einen dritten vom ambulanten und stationären Sektor abgegrenzten Versorgungsbereich einzuführen. Dieser sollte ambulant erbringbare, aber sowohl in der Arztpraxis wie im Krankenhaus durchgeführte Leistungen umfassen. Für diesen neuen Versorgungsbereich sollte ein neues Vergütungssystem mit einheitlichen Regeln für Vertragsärzte und Krankenhäuser gelten. Im Zuge dessen plädieren die Autoren dafür, die Finanzierung von gesetzlicher (GKV) und privater Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) grundlegend neu zu gestalten. „Eine Angleichung der Honorarsysteme von gesetzlicher (GKV) und privater Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) wäre versorgungspolitisch wünschenswert“, hieß es aus der Bertelsmann-Stiftung. 

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) widerspricht der Studie der Bertels­mann Stiftung zur ärztlichen Vergütung. „Eine Vereinheitlichung der Vergütungssysteme ist für die Behebung der sich aus der Art der Finanzierung von im intersektoralen Bereich erbrachter medizinischer Leistungen nicht notwendig“, sagte dessen Hauptgeschäftsführer Lars Lindemann.

„Die so diskutierte Angleichung beider Vergütungssysteme berücksichtigt zudem nicht, dass bei aller möglicher Kritik am Nebeneinander von privater und gesetzlicher Honorarordnung, der freie Beruf des Arztes einen Anspruch auf eine freie Gebührenordnung ‚GOÄ‘ hat“, erinnerte Hans-Friedrich Spies, Vorstandsmitglied des SpiFa.

Der Verband verwies auf ein eigenes Konzept zur Überwindung der Sektorengrenzen, welches „konsequent den Ansatz ambulant vor stationär verfolgt“.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 04.10.2019