19.09.2017

Der Hausärzteverband will radikale Veränderung. Fachärzte lehnen das ab.

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) positioniert sich zu den Äußerungen des Deutschen Hausärzteverbandes

Nun ist die Katze aus dem Sack. Es sind nicht die nur den Istzustand der Grundversorgung beschreibenden Aussagen des SpiFa, die aktuell für Aufregung sorgen sollten. Sondern die radikalen Veränderungen im Gesundheitswesen, die der Hausärzteverband gerne hätte, fordern alle auf, klar Stellung zu beziehen. Der Allgemeinarzt soll zum Gatekeeper für Alles erklärt werden.

Dies wäre eine massive Veränderung, aber keine Verbesserung, der jetzigen ambulanten Versorgung. Offenbar möchte man ein verbindliches Primärarztsystem in Deutschland einführen, bei dem der Allgemeinarzt jeden Patienten zuerst sehen muss und auch noch über jede Über- und Einweisung entscheiden möchte. Da übernimmt man sich. Derartige Systeme kennt man aus dem Ausland. Sie führen zu einer Wartelisten- und Zuteilungsmedizin. Angesichts der Hausarztzahlen in Deutschland würde außerdem ein überflüssiges Nadelöhr geschaffen. Insgesamt würde sich dadurch die Versorgung der Patientinnen und Patienten nur verschlechtern. Terminservicestellen für Hausarzttermine wären dann geboten. Die freie Arztwahl wäre abgeschafft.

Die Politik ist damit aufgefordert zu bekennen, ob sie die freie Arztwahl abschaffen möchte oder an der bewährten gemeinsamen Grundversorgung durch Haus- und Fachärzte festhalten möchte.

„Der leichte Zugang zum Facharzt ist das qualitativ hervorstechendste Merkmal der ambulanten Versorgung in Deutschland. Da kann man jeden im Ausland fragen. Er rettet derzeit darüber hinaus das ganze System. Tagtäglich übernehmen Fachärzte Patienten in der Grundversorgung, weil Hausärzte schon rein zahlenmäßig diese Arbeit nicht mehr schaffen können. Und andererseits möchten unsere zunehmend mündigeren Patienten nicht bevormundet werden und wählen deshalb in souveräner Eigenentscheidung den Facharzt als erste Anlaufstelle.“, so Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa.

„Nach Jahren der einseitigen Förderung der hausärztlichen Versorgung in Deutschland durch Politik und Kassenärztlichen Vereinigungen ist in diesem Bereich vieles, mit bewusster fachärztlicher Unterstützung, versucht und gemacht worden, aber offensichtlich sind viele der versprochenen Verbesserungen nicht eingetreten. Sichtbar ist allerdings, dass trotz Einführung des Trennungsfaktors, der Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin und der hausarztzentrierten Versorgung (HzV), ein stetiger Rückgang der Anteile der Hausärzteschaft an der ambulanten Versorgung festzustellen ist und das bei vielerorts nahezu 100prozentigen Auszahlungsquoten im hausärztlichen Bereich. Warum Herr Weigelt seinen Verband so emotional gegen die Fachärzte in Stellung bringt und eine Entbudgetierung der Leistungen der Grundversorgung im KV-System ablehnt, spricht Bände. Es sollen wohl vor allem die Verträge der hausarztzentrierten Versorgung gefördert werden, die nach Auffassung des Bundesversicherungsamtes soweit bisher ersichtlich im Gegensatz zur Regelversorgung derzeit teurer sind als diese. Unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse über eine Verbesserung der Versorgung sind uns jedoch bisher nicht bekannt.“, ergänzt Lars F. Lindemann, Hauptgeschäftsführer des SpiFa.

Es wäre an der Zeit, dass sich der Hausärzteverband tatsächlich einmal mit den anderen Fachgruppen beschäftigt und sich mit diesen konstruktiv auseinandersetzt, anstatt nur im Blick auf eigene Macht, Umsätze seines Wirtschaftszweiges und zur Bedienung alter Vorurteile eine radikale Systemänderung zu fordern. Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) erneuert daher sein schon mehrfach geäußertes Gesprächsangebot, das leider bisher unbeantwortet blieb.

Die fachärztlichen Berufsverbände fordern den Hausärzteverband daher erneut dringend auf, in einen anständigen und dem ärztlichen Wesen angemessenen Dialog zu treten, anstatt zu emotionalisieren und einen rein arztzentrierten egoistischen Weg zu verfolgen. Wir appellieren dringend an den Willen zur Einigkeit der niedergelassenen Ärzte zum Wohle unserer gemeinsamen Patientinnen und Patienten.

Grundsatzpapier des SpiFa „Fachärzte in der Grundversorgung“