10.08.2017

Presseberichterstattung zu Vorschlägen des SpiFa „Fachärzte in der Grundversorgung“

Haus- und Fachärzte liegen im Clinch – Von Hirngespinsten und verdrehten Vorschlägen

Hausärzte und Fachärzte versichern sich mal wieder ihre gegenseitige Abneigung – zumindest auf Verbandsebene. Auslöser des aktuellen Streits: ein Positionspapier des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands (SpiFa) zur Rolle des Facharztes in der Grundversorgung. Der Hausärzteverband ist empört, der SpiFa fühlt sich missverstanden.

In Zeiten der sozialen Medien ist es die staunende Öffentlichkeit mittlerweile gewohnt, wenn Meinungsverschiedenheiten auf der ganz großen Bühne ausgetragen werden: so wie im März, als sich Wirtschafts- und Finanzministerium auf Twitter über die Steuerpolitik in die Haare bekamen. US-Präsident Donald Trump teilt bekanntlich mit Vorliebe über den Kurznachrichtendienst aus.

Auch Deutschlands Haus- und Fachärzte zoffen sich gerade mal wieder in aller (Fach)-Öffentlichkeit, bevorzugen allerdings die klassischen Medien.

Doch der Reihe nach: Der SpiFa hatte in einem im Juni veröffentlichten Positionspapier eine Stärkung der wohnortnahen vertragsärztlichen Grundversorgung gefordert: Haus- und fachärztliche Leistungen der Grundversorgung müssten aus dem Budget herausgenommen werden. Außerdem fordere man grundsätzlich feste Preise ohne Mengenbegrenzung für alle ärztlichen Leistungen. „Als Einstieg zur Sicherung der Grundversorgung sind alle relevanten Betreuungs- und Koordinationsleistungen sowie die Leistungen, die mit der pauschalierten fachärztlichen Grundvergütung belegt sind, aus der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung herauszunehmen und in die Extrabudgetäre Gesamtvergütung zu überführen. Hierdurch werden effiziente Anreize gesetzt, die zu einer nachhaltigen Stärkung der notwendigen wohnortnahen ärztlichen Grundversorgung führen“, unterstrich SpiFa-Chef Dr. Dirk Heinrich damals bei der Vorstellung des Papiers.

Das alles verärgerte den Deutschen Hausärzteverband. Die Antwort folgte prompt und ebenfalls schriftlich. In einem Vorwort zur aktuellen Ausgabe seiner Verbandszeitschrift „Der Hausarzt“ erklärt Ulrich Weigeldt seinen Mitgliedern, was er von den SpiFa-Vorschlägen hält: nichts.

Der Verbandsvorsitzende spricht von einem „Angriff auf die Hausärzte“ und „Hirngespinsten“ des SpiFa. „Diese Phantastereien sind nicht nur wirr, sondern auch eine echte Gefahr für die Patientenversorgung“, schimpft Weigeldt. Dem SpiFa gehe es nur darum „die Honorarinteressen einer bestimmten Klientel zu protegieren“.

Diese Vorwürfe wiederrum will der SpiFa nicht auf sich sitzen lassen. In einem Leserbrief an Weigeldts Verbandsblatt, der änd vorliegt, wehrt sich SpiFa-Chef Heinrich Anfang August: „Wir vermissen bei Ihrer Kritik an unserem Grundsatzpapier eine sachliche Auseinandersetzung mit unserem Vorschlag, für die Haus- und Fachärzte als Einstieg alle relevanten Betreuungs- und Koordinationsleistungen sowie die Leistungen, die mit der pauschalierten fachärztlichen Grundvergütung belegt sind, aus der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) herauszunehmen und in die Extrabudgetäre Gesamtvergütung (EGV) zu überführen.“

Schließlich sei dies ein „wichtiger Teilschritt, um dem Ziel einer Vergütung ohne Budget näher zu kommen“. Im Übrigen sei im SpiFa-Papier auch nicht die Rede davon, „den Hausärzten irgendetwas wegzunehmen. Das ist weder beabsichtigt noch sinnvoll“, so Heinrich weiter.

Man habe im Gegenteil „ausdrücklich die wichtige Rolle der niedergelassenen Hausärzte“ betont – insbesondere bei der Steuerung chronisch kranker Patienten in der Gesundheitsversorgung. Heinrich: „Den Vorstoß des SpiFa daher als eine Gefährdung der Versorgung zu titulieren, erscheint den vorgeschlagenen Reformschritten nicht angemessen und ist vielmehr eine Verdrehung der Vorschläge.“

Ob dieser Streit das Potenzial hat, um in Serienproduktion zu gehen? Die nächste Ausgabe des „Hausarzt“ soll am kommenden Dienstag erscheinen.

Quelle: Ärztenachrichtendienst
https://www.aend.de/article/180259