06.09.2017

Absichtliches Negieren der Versorgungsrealität hilft Niemandem

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) reagiert mit deutlichen Worten auf Warnungen des Deutschen Hausärzteverbandes und der Fachgesellschaft DEGAM

Mit seinem Grundsatzpapier „Fachärzte in der Grundversorgung“ hat der SpiFa die derzeit in Deutschland bestehende Versorgungsrealität beschrieben und dafür plädiert, die bestehende und bewährte gemeinsame ambulante Grundversorgung von Patientinnen und Patienten durch Hausärzte und niedergelassenen Facharzt fortzuführen und Leistungen der Haus- wie auch Fachärzten in diesem Bereich extrabudgetär zu vergüten.

“Jetzt müssen wir feststellen, dass der Deutsche Hausärzteverband und nun auch seine Fachgesellschaft sich weigern, diese Realität anzuerkennen. Stattdessen wird das Grundsatzpapier des SpiFa dazu missbraucht, sich wieder einmal als von Fachärzten gefährdete Gruppe darzustellen, um im Bundestagswahlkampf und danach Vorteile daraus zu ziehen.“, so Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa.

Derartige durchsichtige taktische Spielchen führen aber in Sache und im Interesse der derzeit gefährdeten Grundversorgung nicht weiter. Daher plädieren die niedergelassenen Fachärzte weiterhin für eine extrabudgetäre Vergütung aller Leistungen in der Grundversorgung. Dies schließt ausdrücklich die hausärztlichen Leistungen mit ein.

Heinrich weiter: „Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum der Deutsche Hausärzteverband nicht auf diese Forderung des SpiFa positiv reagiert. Will der Deutsche Hausärzteverband die Leistungen der Hausärzte weiterhin im Budget behalten? Da kann man nur hoffen, dass dieses Vorgehen nicht durch die Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung und deren Schutz motiviert ist. Und noch einmal: wir Fachärzte wollen niemandem etwas wegnehmen, wir wollen keine zusätzlichen Aufgaben, aber wir verlangen, dass man die real existierende Welt zur Kenntnis nimmt!

Angesichts dieser Verhältnisse müssen wir davon ausgehen, dass hier nur das Märchen von der geknechteten Fachgruppe weitererzählt werden soll. Mittlerweile sind die Hausärzte längst in der oberen Mitte der Ärzteschaft angekommen, was ihre Einkommen und Erlöse anbelangt. „Man kann hier hinzukommend aus den Zahlen der Kostenstrukturanalyse des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2015 sehr gut ableiten, dass die Einkommenszuwächse bei den Hausärzten allein aus der Teilnahme an der hausarztzentrierten Versorgung, aber eben keiner Ausweitung der Leistungsmengen stammen. Nicht nur daraus lässt sich folgern, das im KV-System der Grundsatz „Geld folgt der Leistung“ nicht mehr gilt.“, so Lars Lindemann, Hauptgeschäftsführer des SpiFa.

Gefährdet sind vielmehr zurzeit die Fachärzte, die viele Leistungen in der Grundversorgung für ihre Patientinnen und Patienten erbringen. Fachärzte unterstützen dort, wo es Hausärzte offensichtlich nicht mehr schaffen, alle Patienten zu behandeln. Diese Entwicklung nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen, muss daher andere Gründe haben. Offensichtlich keine Gründe, die in der Patientenversorgung liegen. Das ist zu bedauern.

Grundsatzpapier „Fachärzte in der Grundversorgung“: www.spifa.de/positionen/

 

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