14.09.2017

Heinrich zu Hausarzt-Facharzt-Konflikt: „Das ist mir zu kleines Karo“

Ärztenachrichtendienst, 13.09.2017

Es gehört zur berufspolitischen Realität, dass sich Haus- und Fachärzte beharken – mal mehr, mal weniger. Derzeit tun sie es wieder etwas mehr. Der NAV-Virchow-Bund fühlt sich nun dazu berufen, die niedergelassenen Ärzte – egal welcher Fachgruppe – zur Einigkeit aufzurufen. Heinrich appelliert an die Einigkeit der Niedergelassenen.

„Die ambulante Versorgung unserer Patienten kann nur gemeinsam gelingen. Daher ist es widersinnig, wenn sich eine Arztgruppe gegenüber allen anderen als unverzichtbar erklärt und für sich reklamiert, allein qualifiziert und legitimiert zu sein, im Mittelpunkt der Versorgung zu stehen“, betont der Vorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. Dirk Heinrich, in einem am Mittwoch veröffentlichten Statement.

Ob der NAV-Chef mit solchen Worten die Einigkeit der Niedergelassenen wieder herzustellen vermag? Wohl eher nicht. Denn mit der „einen Arztgruppe“ meint Heinrich zweifelsohne vor allem die Hausärzte. Und die – beziehungsweise ihr Bundesverband – sind sowieso schon sauer auf Heinrich, genauer gesagt auf den Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (Spifa), dem der HNO-Arzt ebenfalls vorsteht. Grund ist die Forderung des Spifa, Fachärzte für grundversorgende Leistungen besser zu entlohnen. Der Deutsche Hausärzteverband (DHÄV) ist empört darüber, aus seiner Sicht würde das zu Lasten seiner Klientel gehen.
In seinem aktuellen Statement versucht Heinrich nun zu verdeutlichen, dass Fach- und Hausärzte in einem Boot sitzen. Von einer neuen Bundesregierung wünscht er sich, dass sie endlich den Ausstieg aus der Budgetierung angehe. „Hierzu müssen zunächst alle Leistungen der Grundversorgung entbudgetiert werden. Dies muss für Leistungen der Hausärzte wie der Fachärzte gleichermaßen gelten“, fordert der NAV-Chef.

Die Fachärzte für Allgemeinmedizin ebenso wie die hausärztlichen Internisten seien erster Ansprechpartner und Koordinator für den Patienten und sollten dies auch bleiben. Aber beispielsweise auch Kinder- oder Frauenärzte würden Grundversorgung leisten. „Wenn nun eine Arztgruppe allein um das größte Stück vom Kuchen kämpft, anstatt gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Torte größer wird, ist das für mich zu kleines Karo“, betont Heinrich. Es werde den anstehenden Aufgaben in der Gesundheitsversorgung nicht gerecht.

„Ich hoffe sehr, dass wir ärztlichen Funktionsträger in den Verbänden nun auf eine gemeinsame Linie zurückkehren, weil uns die Grabenkämpfe der Vergangenheit nicht mehr weiterbringen“, sagt der NAV-Chef. „Das muss sich in den Köpfen vieler altgedienter ärztlicher Funktionsträger erst noch ändern.“

Quelle: https://www.aend.de/article/181113