28.11.2017

Niedergelassene Ärzte warnen vor Einknicken bei der Bürgerversicherung

Der Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands warnt davor, der SPD mit der Einführung einer „Bürgerversicherung“ ein Zugeständnis für Verhandlungen zu einer Großen Koalition zu machen. „Das wäre ein Einknicken mit fatalen Folgen: Die Bürgerversicherung verursacht eine unwiederbringliche Zerstörung von funktionierenden Strukturen. Sie ist die Abrissbirne an einem bewährten System, das die Bevölkerung und internationale Organisationen wie die OECD für das beste der Welt halten. Die freie Arztwahl, der niedrigschwellige Zugang zu wohnortnahen Haus- und Fachärzten und die europaweit kürzesten Wartezeiten wären schnell beendet“, prognostiziert der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. Dirk Heinrich.

SPD-Schaufenster-Projekt durch die Hintertüre?

„Es ist schon bemerkenswert, wie eine Partei, die wegen ihrer ideologischen Vorstellungen zur ‚sozialen Gerechtigkeit‘ abgewählt wurde, nun offenbar kurz davorsteht, ihr Schaufenster-Projekt durch die Hintertüre durchzusetzen“, erklärt Dr. Heinrich. „Ich kann nur hoffen, dass sich der gesunde Menschenverstand gegen die Ideologen durchsetzt, weil es äußerst verhängnisvoll wäre, ein gutes und zuverlässiges System ohne Not von den Beinen auf den Kopf zu stellen“, erklärt der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes.

„Die ‚Bürgerversicherung‘ ist ein staatliches Gesundheitssystem und hat die Einheitskasse zur Folge. Die Auswirkungen lassen sich im europäischen Ausland beobachten: Staatliche Systeme sind überall teurer und befördern eine echte Zwei-Klassen-Medizin, weil sich dort parallel zum staatlichen System ein ‚grauer Markt‘ entwickelt, in dem Leistungen von denen, die es sich leisten können, gegen Direktzahlung bezogen werden. Und das ist in der Folge unsolidarisch und ungerecht“, so Dr. Heinrich.

Quelle: Pressemitteilung des NAV-Virchow-Bundes vom 27. November 2017